Der Landkreis Donau-Ries gilt als Befallsregion des Eichenprozessionsspinners. Was die Martkgemeinde Wallerstein dagegen macht und wie man sich schützen kann.

Ein Artikel der Rieser Nachrichten von Julian Würzer

An einem warmen, sonnigen Tag gibt es für viele nur eines: Raus in die Natur – Rad fahren, joggen oder ein Spaziergang durch den Wald unternehmen. Doch nach dem Spaß im Freien beginnt es am Körper auf einmal fürchterlich zu jucken. Zudem ist die Haut mit rötlichen Punkten übersät. Der Auslöser könnte der Eichenprozessionsspinner sein. Für Allergiker kann die Begegnung mit der Raupe sogar Atemnot hervorrufen. Im Mitteilungsblatt der Marktgemeinde Wallerstein wird aufgerufen, den Baumbefall von Eichenprozessionsspinnern „nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und der Gemeindeverwaltung zu melden“. Der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, Paul Buss, rät dennoch von Panik bei einem Zusammentreffen mit dem Tierchen ab.

Der Eichenprozessionsspinner ist größtenteils, wie der Name bereits sagt, auf Eichen im Wald oder auch in Gärten zu finden. „Wenn es überhaupt keine Nahrung mehr gibt, kann das Tierchen auch auf anderen Bäumen leben“, sagt Buss. In größeren Gruppen von Hunderten Raupen, sogenannten Prozessionen, geht der Eichenprozessionsspinner auf Nahrungssuche – das sind hauptsächlich Blätter. Durch die Prozessionen schützen sich die Tierchen vor natürlichen Fressfeinden, etwa dem Kuckuck oder räuberischen Käfern. „So ein Nest kann die Größe eines Fußballs erreichen“, sagt Buss.

Mitarbeiter des Landratsamtes hat unschöne Begegnung mit der Raupe

Gefährlich für den Menschen wird der Eichenprozessionsspinner, wenn die Haut mit seinen Brennhärchen in Kontakt kommt oder er sie einatmet. Diese entwickeln sich während der Raupenzeit. „Das wird wohl Mitte bis Ende Mai der Fall sein“, prognostiziert Buss. Die Härchen transportieren ein Nesselgift und können schwere allergische Reaktionen auslösen. Gerade an warmen und windigeren Tagen bestehe ein höheres Risiko. Doch nicht nur lebendige Raupen sind mit Vorsicht zu genießen. „In den Prozessionen verpuppen die Tierchen und werden letztlich zum Falter, die Puppen mit den Härchen der Raupen bleiben allerdings am Baum“, erklärt Buss. Und die können über mehrere Jahre hinweg bestehen. Mitarbeiter des Landratsamtes mussten bereits unschöne Begegnungen mit dem Eichenprozessionsspinner hinnehmen, wie Buss zu erzählen weiß: „Ein Kollege hat mit der Motorsäge versehentlich in ein Nest gesägt. Die herumfliegenden Härchen lösten eine solch starke allergische Reaktionen bei ihm aus, dass er für ein paar Tage nicht arbeiten konnte.“

Der Landkreis Donau-Ries gilt als Befallgebiet. Das sei erst seit vier oder fünf Jahren so schlimm. Davor sei die Raupe eher im Norden Deutschlands verbreitet gewesen, durch die Klimasituation ist er mittlerweile auch im Süden angekommen.

Vorsorgliche Bekämpfung gegen den Eichenprozessionsspinner

Was wird gegen das lästige Tierchen unternommen? „Aktiv wird der Eichenprozessionsspinner im Landkreis nicht bekämpft“, sagt der Kreisfachberater. Eichen in der Nähe von Kindergärten und Schulen werden vorsorglich gespritzt, sodass die Raupe abstirbt, solange sie noch ungiftig ist, oder den Baum gar nicht erst befällt. Bei sichtbaren Prozessionen hingegen hilft nur noch absaugen. Aber nicht mit einem herkömmlichen Staubsauger. „Da sollten spezielle Firmen beauftragt werden“, rät Buss. Nisten sich Prozessionsspinner im eigenen Garten ein, gebe es für den Besitzer keinen Zwang die Raupen zu entfernen. „Es empfiehlt sich aber, das Problem mit der Gemeinde oder Stadt abzusprechen.“ Für die Kosten der Beseitigung muss der Grundstückinhaber selbst aufkommen.

Die Marktgemeinde Wallerstein heuert einmal jährlich eine Firma zur vorsorglichen Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners an. So könne laut Bürgermeister Joseph Mayer die Kosten für den Einzelnen reduziert werden. „Außerdem wollen wir erreichen, dass sich die Raupe nicht weiter ausbreitet“, sagt Mayer.

Und wie können sich Menschen vor den Härchen des Eichenprozessionsspinners schützen? Geschlossene Kleidung und ein Hut findet der Kreisfachberater Paul Buss für „über das Ziel hinausgeschossen“. „Man sollte einfach mit seinem gesunden Menschenverstand und offenen Augen durch die Welt gehen“, sagt er und vergleicht es mit einem Bienennest, dem man auch nicht ohne guten Grund zu Nahe komme. „Es ist einfach wichtig zu wissen, dass eine Gefahr besteht. Wir werden den Eichenprozessionsspinner aber nicht mehr los, deshalb müssen wir mit ihm leben“, sagt Buss.

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